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In einer Zeit, da Österreich noch vor der von radicaler Seite gewünschten Lösung an acuter Lange-
weile zugrunde zu gehen droht, in Tagen, die diesem Lande politische und sociale Wirrungen aller Art
gebracht haben, einer Öffentlichkeit gegenüber, die zwischen Unentwegtheit und Apathie ihr phrasen-
reiches oder völlig gedankenloses Auskommen findet, unternimmt es der Herausgeber dieser Blätter, der
glossierend bisher und an wenig sichtbarer Stelle abseits gestanden, einen Kampfruf auszustoßen. Der ihn wagt, ist zur Abwechslung einmal kein parteimäßig Verschnittener, vielmehr ein Publicist, der auch in Fragen der Politik die »Wilden« für die besseren Menschen hält und von seinem Beobachterposten sich durch keine der im Reichsrath vertretenen Meinungen locken ließ. Freudig trägt er das Odium der politischen »Gesinnungslosigkeit« auf der Stirne, die er, »unentwegt« wie nur irgendeiner von den ihren, den Clubfanatikern und Fractionsidealisten bietet
Das politische Programm dieser Zeitung scheint somit dürftig; kein tönendes »Was wir bringen«, aber
ein ehrliches »Was wir umbringen« hat sie sich als Leitwort gewählt. Was hier geplant wird, ist nichts
als eine Trockenlegung des weiten Phrasensumpfes, den andere immerzu national abgrenzen möchten. Mit Feuerzungen und wäre es auch ein Dutzend verschiedensprachiger predigen die Verhältnisse das Erkennen socialer Nothwendigkeiten, aber Regierende und Parteien wünschen vorerst mit hinhaltender Berechnung die einen, in leidenschaftlicher Verblendung die anderen die Kappenfrage der Prager Studenten erledigt zu wissen.
Diese Erscheinung schmerzlichsten Contrastes, die sich durch unser öffentliches Leben zieht, wird
hier den Gesichtspunkt für die Beurtheilung aller poltischen Ereignisse bestimmen, und es mag zuweilen
glücken, dem dumpfen Ernst des Phräsenthums, wo immer er sein Zerstörungswerk verübe, durch die ihm so unbequeme Heiterkeit rechtzeitig den Credit zu schmalem.
Dem durch keine Parteibrille getrübten Blick muss doppelt deutlich sich das Mene Tekel zeigen, welches
dräuend in unserer durch Altarkerzen verstärkten Finsternis zuweilen aufleuchtet. Aber die Sprachgelehrten wissen es nicht zu deuten, und vom alten Hader noch erschöpft, erheben sie sich zu neuem Zanke. Von dem unheimlichen Anblick geblendet, weisen die einen mit einem ängstlichen »Z d e« nach der Erscheinung, dieweil die anderen, völkischen Verrath witternd, als die Verhandlungssprache des jüngsten Gerichtes nur die deutsche gelten lassen wollen. ....
Vielleicht ist dem frevlen Treiben gegenüber, das den Wettkampf zwischen der auf ihre Reife nicht wenig
stolzen und einer kräftig erst sich emporringenden Cultur auf den rüdesten Wirtshauszank reducieren
möchte, ein offenes Wort noch willkommen. Vielleicht darf ich mich aber auch der Hoffnung hingeben, dass der Kampfruf, der Missvergnügte und Bedrängte aus allen Lagern sammeln will, nicht wirkungslos verhalle. Oppositionsgeister, die des trockenen Tons nun endlich satt sind, möge er befeuern, alle jene, die Talent und Lust zu einer beherzten Fronde gegen cliquenmäßige Verkommenheit auf allen Gebieten verspüren, ermuntern und in diesem unakustischen, national verbauten Reiche nicht bloß bei den für jede neue Erscheinung empfänglichen und grundsätzlich hellhörigen Staatsanwälten ein Echo finden.
Der umständliche Instanzenzug, den hier der sogenannte »Geist der Zeit« noch immer durchmachen
muss, um nach oben zu gelangen, wird bei jeder sich darbietenden Gelegenheit in seinen vielverschlungenen Wegen zu verfolgen sein. Was an dem unbefangenen Beobachter ist, soll geschehen, um zwischen der Regierung und den Parteien Schuld in gerechter Weise zu vertheilen: Ministern, die nur ein einziges Gesetz nicht verletzen, nämlich das Gesetz der Trägheit, vermöge dessen sich dieser Staat noch aufrechterhält Volksvertretern, die jede andere, nur nicht die »innere Amtssprache« des Gewissens beunruhigt und welche unentwegt über die Aufschrift auf ärarischen Spucknäpfen streiten, während das Volk seine ökonomischen Bedürfnisse als Beichtgeheimnis allzuverschwiegenen
Priestern anvertraut .... So möge denn die Fackel einem Lande leuchten, in welchem anders als in
jenem Reiche Karls V. die Sonne niemals aufgeht.
DIE UNABHÄNGIGEN.
Es sei mir gestattet, in Kürze mein geistiges Vorleben zu skizzieren, bevor ich es unternehme, von
selbständiger Tribüne zu einem Forum zu sprechen, auf welchem Dank dem Marktgeschrei der täglich
zweimal verfälschten öffentlichen Meinung der ehrliche Mann sein eigenes Wort nicht hört. Ich habe es bisher nicht über den Ruhm hinausgebracht, in engeren Kreisen missliebig geworden zu sein. Zum Hasse
einer literarischen Coterie, deren anmaßendes Streberthum und hochstaplerisch durch Geckereien und allerlei Niedlichkeiten verdecktes Unvermögen ich mir zu enthüllen erlaubte, hat sich die Wuth einer neuestens organisierten politischen Radautruppe gesellt. Sie nennen sich »Zionisten«, möchten in dem durch nationale Krakehle sattsam verunreinigten Österreich den Bestand einer neuen, der jüdischen Volkheit behaupten und harmlosen Passanten, die glücklich den antisemitischen Kothwürfen entgangen sind, Sehnsucht nach dem gelobten Lande aufdrängen. Eine kleine Satire, zu der mich dies muntere Treiben anregte, hat mich in der Folge jene bekannte Rachsucht verkosten lassen, »die da ahndet bis ins dritte und vierte Glied«, und aus jener unpolitischen Wuth, wie sie nur die Angehörigen
einer noch ungeübten Nation so offen bethätigen können, ergoss sich ein rothes Meer von Beschimpfungen über mich, durch das trockenen Fußes hindurchzukommen auch mir gelang, der von dem projectierten Auszug in das gelobte Land so entschieden abgerathen hatte.
Mein Sündenregister wäre unvollständig, vergäße ich die Erwähnung des Kampfes, den ich in mehreren
periodisch erscheinenden Druckschriften seit einer Reihe von Jahren gegen die periodisch erscheinenden
Dummheiten und Lächerlichkeiten unseres politischen, gesellschaftlichen und literarischen Lebens geführt
habe. Freilich, nicht immer mit der zum Angriff nöthigen Lust, weil ja, weil gewisse Rücksichten,
die selbst die Herausgeber anständiger oder, um ein milderes Wort zu gebrauchen, »unabhängiger« Blätter
gewissen Cliquen schuldig zu sein glauben, nun einmal kein befeuerndes Motiv sind. Wenn ihm der
ursprüngliche Antrieb freier Wahl genommen, steht der kritische Losgeher selbst den von oben bewilligten
Opfern theilnahmslos gegenüber. Nicht die Censur des Staatsanwalts habe ich gefürchtet, vielmehr die
intimere eines Chefredacteurs, die, wenn ich socialen Ekels voll, einmal in das schändliche Hausierertreiben unserer Literaten, in die Zusammenhänge von Theater und Journalistik hineinfahren wollte, mit weicher Sorglichkeit all den Ärger in fernere Regionen abzulenken bemüht war. Galt es, dem Publicum endlich die Augen zu öffnen über eine Pressgenossenschaft, welche, feil bis auf die Knochen, die vom halb verwesten Liberalismus noch übrig geblieben sind, eine ungeahnte Werbekraft
für jede von ihr bekämpfte Idee entfaltet und durch eine klägliche Opposition dem Antisemitentross täglich neue Anhänger zuführt galt es diese oder jene von dem Treibhaus der Wiener Eitelkeiten ängstlich ferngehaltene Wahrheit auszusprechen, dann wurde mir gewiss der Stilschnitzer in der letzten Rede des Ackerbauministers entgegengehalten, den zu bekämpfen mein heiliges Amt sei.
Aber ein Kind, das von Schmerzen geplagt ist, pflegt sich im Anblick der ihm beharrlich entgegen-
gehaltenen Puppe erst recht nicht zu beruhigen, und so ließ ich denn die schönste Gelegenheit, ein auskömmliches Dasein durch das in den weitesten Familienkreisen noch immer für »Kühnheit« gehaltene Anulken der allwöchentlichen österreichischen Minister zu führen, im Stiche, warf den Maulkorb in den Papierkorb und gieng.....
Jetzt lag er hinter mir, der Kreis der wahrhaft Unabhängigen, die pseudonym und manchmal sogar
mit vollem Namen jeder Regierung an den Leib rücken, die den Muth haben, dem Grafen Thun »Sie« zu
sagen, und weil sie alles, nur nicht den aufreibenden Kampf gegen das Geschmeiß im eigenen Hause wagen, ihrer Oppositionslust einen »weiten Horizont« zusprechen möchten. »Zu Hass und zur Verachtung gegen die Regierunge aufgereizt oder gar die Majestät beleidigt mehr als eine Confiscation kann bei der Beliebtheit des objectiven Verfahrens da nicht passieren; unternähme man es jedoch, ausnahmsweise einmal das schmutzige Cartell journalistischer Theaterpaschas aufzustöbern, so wäre das man lebt ja in traulicher concordia nicht nur incollegial, es trüge auch sicher allerlei »subjective Verfolgung ein, die schmerzhafter ist und weniger reclamedienlich als die vom Staatsanwalt besorgte objective. Und endlich: den Ackerbauminister, der selten zu Premieren geht, lernt man nie persönlich kennen, während man doch über Herrn Siegfried Löwy bei allen besseren Gelegenheiten stolpert. Die Directive für einen unabhängigen Journalisten lautet also: Die Umgebung bleibe sacrosanct;
auf Wiener Boden sind natürlich die Antisemiten anzugreifen; in der innern und äussern Politik Österreichs hat man reichliche Auswahl, und wenn man dann den einen Sectionschef und die zwei liberalen Abgeordneten, die der Herausgeber von Jours her kennt, nach heißen Kämpfen abzieht, erübrigt noch immer ein weites Feld zur Bethätigung der wahren Unabhängigkeit ....
Wer selbst den journalistischen Taglöhnern der, Lüge, den Officiösen der Regierung oder des Capitalismus jedwede Schweinerei als ein geheiligtes Gewohnheitsrecht nachsehen wollte den müsste die Heuchelei der angeblich unbefleckten Wöchnerinnen des Zeitungswesens in Harnisch bringen. Dort, wo zu keinem Amt, keiner Finanzgruppe, ja zuweilen selbst zu keiner Meinung Beziehungen nachweisbar sind, stellt sich pünktlich die Rücksicht auf tausend gesellschaftliche Machtfactoren ein. Hat man sie nicht, so borgt man sich sie von der nächstbesten liberalen Zeitungsredaction aus, und das große Tagesblatt wird nicht verfehlen, bei jeder Gelegenheit auf die junge aufstrebende Revue hinzuweisen, die so freudig ein ansehnliches Segment seines Interessenkreises auf sich genommen hat.
So sehen wir das bisschen Aufmerksamkeit, das unser Publicum nach erledigter Leibblattlectüre für
bedrucktes Papier noch zu vergeben hat, in unverantwortlicherweise allwöchentlich von Neuem missbraucht Wer sich zum Abonnement einer Revue aufgerafft hat, fühlt sich um seine Erwartung, hier noch jene Wahrheit zu finden, die in der Tagespresse Raummangels halber ewig im »Übersatz« bleiben muss, schmählich betrogen: Statt frisch zugreifender Socialkritik und rücksichtsloser Auffassung aller Actualitäten nichts als eine hochmüthige Sachlichkeit, dazu die gangbaren politischen Radicalismen, von einem Hohn durchtränkt, der etwa nach Prossnitz zuständig ist, und einer Unentwegtheit, die nach irgendeinem freisinnigen Bezirksverein weist und alles dies mit einer Selbstzufriedenheit
vorgebracht, als ob der Völkerfrühling ein Quartalswechsel und die Machthaber die »noch rückständigen
Abonnenten« wären. Ein ewiges Kokettieren mit der Correctheit einer Verwaltung, die zuweilen sogar die
Aufnahme von Bankinseraten verweigert; aber die politisch und financiell so prononciert reinen Hände
scheuen sich nicht, dem nächstbesten Literaturdelinquenten, wofern er nur dem .bekannten »Wiener
Milieu« angehört, willfährig sich entgegenzustrecken ...
Ich habe rückschauend der Plage des Wochenchronisten in unfreiem Kreise gedacht und noch einmal
wie von weiter Ferne gesprengte Ketten rasseln gehört Ohne Wehmut scheide ich von einer Welt der »an-
genehmen Verbindungen«, seit langem schon, weil man den Störer der Gemüthlichkeit und des liberalen
Ringelreihens in mir gewittert, scheel angesehen bald vielleicht ein Vervehmter. Kein freundlicher Warner wird künftig der unbesiegbaren Lust, Gesellschaftsgötter zu lästern, tactische Bedenken entgegenhalten, kein Chefredacteur, zitternd um seine Beziehungen, hinter meinem Rücken stehen und besorgt, ich könnte mich an Näherliegendem vergreifen, mit suggestiv warmer Stimme mir beständig in die Ohren raunen: »Aber so machen Sie sich doch über den Ackerbauminister lustig!....«
»Die Fackel« erscheint bloß dreimal im Monat. So erspart sie sich den bekannten Zeitungsstempel und dem Finanzminister Kaizi ein schamvolles Erröthen. Herrn Kaizi hat zwar die gepresste Luft eines Cabinets, das näher dem Hofe als der Straße zu gelegen ist, ein wenig den Kopf verwirrt, sonst aber ist er gewiss mit den meisten der in diesem Blatte vertretenen Anschauungen einverstanden.
Drum wäre ihm der Anblick einer anständigen auf sich selbst gestellten und nur durch ihre Leser subventionierten Zeitung immerhin peinlich gewesen, die mit der Fußfessel der Stempelpflicht den ohnehin beschwerlichen Weg zum Interesse der österreichischen Öffentlichkeit antreten soll. So lasse ich denn, Herrn Kaizi zuliebe, die »Fackele nicht, wie ursprünglich geplant, allwöchentlich erscheinen, versage dem Staate die sonst fällige Zahlung einer jahrlichen Steuer von mehr als tausend Gulden und glaube zu diesem Entschlüsse die Zustimmung des Finanzministers in vollem Maße zu besitzen. Denn trotz dem Ehrgeiz des Emporkömmlings und ungeachtet der Erniedrigungen, die ein Portefeuille in Österreich auferlegt, halte ich ihn noch immer eher für einen »modernen und vernünftigen Manne, als z. B. Herrn Heinrich Kann er, der dies seit einem Jahr an jedem Samstag bestreitet.
Der Wiener, der politische Entmündigung nie pathetisch nahm, hat sich auch neulich wieder ohne ein Gefühl der Beschämung aus dem sich hinter ihm schließenden Parlamente entfernt und seine Aufmerksamkeit einem draußen soeben gestürzten Comfortabelrosse zugewendet. Vielleicht wird er bald vor einem steckengebliebenen Automobil verweilen, aber verweilen wird er.... Erst wenn auch die Theater geschlossen sind, beginnT für ihn der wahre Absolutismus. Einst bedurfte es noch der künstlichen Ablenkung, wenn der Gesichtekreis des Bürgers mit allerlei politischem Spectakel erfüllt war, und
dem kundigen Blicke des Staatsmanns blieb es öfter anheimgestellt, die geeignete Zugkrall für ein Theater zu finden. Wo ehedem erhöhter Kunstgenuß das erwünschte Zerstreuungswerk besorgte, reicht heute der nächstbeste Klatsch und eine einfache Verstärkung des theatralischen Nachrichtendienstes aus, um den Leser über die Wertlage zu beruhigen. Wird in Österreich ein Verfassungsbruch begangen, so gähnt die Bevölkerung. Wie soll nun diesem Zustand die Presse des
Landes sich anpassen? Die N. Fr. Presse, ihrer Pflichten als großes Oppositionsblatt bewusst, hat am Tage, da die erste Verordnung auf Grund des § 14 ins Land gieng,, in einem längeren Artikel auf die Geschenke hingewiesen, die die Mitglieder des Josefstädter Theaters anlässlich der 100. Aufführung des Vaudevilles »Wie man Männer fesselte von der Direction erhielten. Sie schrieb wörtlich: > Schon nach dem ersten Acte erdröhnten die Salven des Jubiläumsbeifalls. Der Haupt-
effect des Abends kam nach dem zweiten Act. Als sich auf den Beifallssturm der Vorhang wieder hob, war die Bühne in einen
Blumengarten verwandelt und ganz angefüllt mit Riesenkränzen, Blumenkörben und Bouquets. Auf zwei Tischen waren die Geschenke ausgebreitet, welche die Direction den Darstellern der Hauptrollen widmete. Fräulein Dirkens erhielt ein Füllhorn mit einem Engel aus Gold, Herr Maran einen persischen Teppich und eine Busennadel, Capellmeister Kappeller eine Rauchgamitur aus Bronze, Dramaturg Eisenschitz, der Obersetzer des Stückes, und Regisseur Groß silberne
Schreibtischgarnituren, Frau Pohl-Meiser und Fräulein Moraw silberne Visitkartenkörbe, Herr Tuschl einen Gasluster aus Bronze, Fräulein Sachs ein goldgesticktes Kissen, Herr del Zopp Manschettenknöpfe und Herr Strasny einen silbernen Crayon; sämmtliche Damen vom Chor erhielten silberne Armbänder mit Breloques und die Herren vom Chor silberne Manschettenknöpfe. Die Vertheilung der Geschenke wurde vom Publicum mit Beifall begleitet.» Wenn unsere Blätter
Glück haben, fällt die 150. Aufführung von »Wie man Männer fesselt mit der Octroyierung des ungarischen Ausgleiches zusammen. Dann erst erdröhnen in Österreich die Salven des Jubiläumsbeifalls und wir erfahren, dass Herr Tuschl unter dem Beifalle des Publicums abermals einen Gasluster bekommen hat.
Es verlautet mit jedem Tage bestimmter, die Regierung Thun sei nicht geneigt, das Lueger'sche Project einer Gemeindewahlrefonn der Sanction zu empfehlen. Am Ende haben also die Liberalen in der letzten Zeit nicht ohne Erfolg regierungsfreundliche Allüren »ur Schau getragen. Die N. Fr. Presse verstieg sich sogar zu einem begeisterten Eintreten für die Erhöhung der Officiersgagen und schob auch sonst tapfer den »innerösterreichischenc Oppositionsstandpunkt
beiseite, nur um den liberalen Patronen Wiens, »diesem kleinen Häuflein freisinniger und charaktervoller Männer, wie sie sie öfter kosend zu benennen pflegt, nur um den Noske und Matzenauer den ungeschmälerten Genuß ihres politischen Lebensabends zu sichern. Wenn aber eines für die Regierung bestimmend war, dem Lueger'schen Anschlage, der am Ende auch Herrn Walter Brix um sein Mandat bringen könnte, kein Gehör zu schenken, so mussten es die positiven Argumente sein, die die N. Fr. Presse gegen die Gemeindewahlreform vorbringt. Gleich, als die guten und die üblen Absichten des Bürger-
meistersder gescheite Plan einer Aufhebung der Wahlkörper, verschlechtert durch die Einführung der Sesshaftigkeitsclausel ruchbar wurden, erhob die N. Fr. Presse laute Klage, dass ja dann nicht weniger als fünf Minister, die Herren Thun, Kaizi, Dipauli, Käst und Jendrzejowicz, der Wahlberechtigung in der Gemeinde Wien beraubt wären. Das ist allerdings eine Perspective, vor der jedem Liberalen grauen muss. Es ist ja wirklich nicht daran zu denken, dass die Ministerschaft dieser fünf Herren die von Lueger dictierten fünf Jahre erreichen wird, und gewiss mag es eher noch ein einfacher Arbeiter, den die Suche nach dem Broterwerb dahin und dorthin verschlägt, zur Sesshaftigkeit in Wien gebracht haben, als Minister, die ein unstätes Nomadenleben fuhren, das sie von der zweiten Rangsdasse zur dritten und durch die Statthalterposten aller möglichen österreichischen Landeshauptstädte treibt. So wird den Liberalen, die das Schicksal der »fluctuierenden Minister« dauert, wohl nichts anderes übrig bleiben, als die Einführung eines neuen und unwiderruflich letzten Wahlkörpers für Regierende zu verlangen. Dass sie sich nicht entschließen können, für ein allgemeines und gleiches Wahlrecht einzutreten, selbst wenn man ihnen garantierte, dass auch Minister einbezogen seien wer sollte es ihnen verübeln? Jedenfalls mag man sich vorstellen, wie, aufgereizt durch die beweglichen Klagen der N. Fr. Presse, die Herren Thun, Kaizi, Dipauli, Käst und Jendrzejowicz in ihren »Gummiradlern« vor das Rathhaus ziehen» den Wagenschlag öffnen und im Chor: »Heraus mit dem allgemeinen
Wahlrecht!« brüllen, während die fünf Kutscher, zufrieden im Privilegienbesitze, vergnüglich schmunzelnde Gesichter zeigen. Und die Minister Ruber, Wittek, Bylandt-Rheidt und Welsersheimb, langgediente Bureaukraten, sitzen daheim und freuen sich gleichfalls, dass sie in Wien wahlberechtigt sind . . . Gewiss, der Widerstand der Liberalen gegen die Gemeindewahlreform entbehrt nicht der verzweifelten Komik. Wenn aber ein Argument die Lueger'sche Absicht rechtzeitig vereiteln kann, so ist es die Entdeckung der N. Fr. Presse. Die Regierung kann eine Wahlreform, die sie selbst entrechtet, nicht zur Sanction vorlegen.
Als vor ein paar Wochen der Run auf die galizische Sparkasse entfesselt wurde, da wunderte man sich vielfach über die
polnische Römertugend, die selbst die Gefahr eines Bankerotts nicht scheue, um financiellc Unlauterkeiten in den herrschenden Kreisen aufzudecken. Schärfer Blickende wunderten sich allerdings nicht, weil sie den feinen Schachzug der Schlachter durchschauten, der ein paar einflussreiche Gegner der Badeni- und Abrahamowicz-Clique in der Öffentlichkeit unmöglich machen und jene liberal schillernde Gruppe des Polenclubs compromittieren sollte, die seit Langem schon zum Ausgleich mit den Deutschen drängt. Aber mit der Aufdeckung galizischer Missstände darf man eben nicht spielen. Die Sache scheint nun im Rollen zu sein. Seither kam die galizische Creditbank daran; andere Enthüllungen stehen wohl bevor. Und die
Schlachta steht da, wie der Zauberlehrling von Goethe; »die sie rief, die Geister, wird sie nun nicht los«.
Aus dem Parlament verjagt, hat sich die politische Discussion in den unweiten Gerichtssaal geflüchtet. Die letzten Monate haben kaum ein Urtheil gebracht, das nicht zunächst vom Parteistandpunkt betrachtet worden wäre. Alle vierzehn Tage vollzieht sich jetzt ein anmuthiger Wechsel in der Auffassung der Geschworenengerichte, die förmlich als Spielball zwischen den feindlichen Lagern hin- und hergeworfen werden. Ist ein Antisemit verurtheilt worden, so suchen seine Gesinnungsgenossen Trost in dem Gedanken, dass das wahre Recht ja doch nicht von Männern, die »zufällig Geschworene« geworden sind, erkannt werden könne, während die Liberalen sich pünktlich als Hüter einer »freiheitlichen Errungenschaft« gebärden und die »heilige
Institution des Volksgerichtes« nicht anzutasten erlauben. Wird daraufhin einer von den ihren gefasst, dann versäumen sie nicht, verächtlich auf die »Hernalser Greisler« herabzublicken, die zur Rechtsprechung ja doch nicht berufen seien und der inner- städtischen Intelligenz niemals imponieren können; die Antisemiten aber beginnen als Orakel zu preisen, was sonst nur der »Zufall«, blind eben wie die Gerechtigkeit, erschaffen hat.
So werden die Geschworenen heute von dieser, morgen von jener Seite als die geschworenen Feinde einer unparteiischen Justiz declariert. Herr Otto Frischauer sollte sich endlich beruhigen. Er hat durch seinen widerlichen Kampf um ein Chambre separee-Abenteuer die politische Atmosphäre hinreichend verpestet, er hat es bewirkt, dass sich die Parteiblätter durch Monate fast mit nichts anderem ernsthaft beschäftigt haben, als mit den nächtlichen Extravaganzen einiger Spießer, und er ist zur endlichen Erforschung der leuchtenden Wahrheit nicht einmal davor zurückgeschreckt, ein Heer von Kupplerinnen und in ihrem Privatleben öffentlicher Damen zu mobilisieren. Nur hätte er sich nicht alles für die Gerichtsverhandlung aufsparen,
vielmehr schon vorher öfter den Lesern seines Blattes erzählen sollen:
Gestern hatte einer unserer Mitarbeiter die Ehre, von einem Zuhälter empfangen zu werden; folgt ein längeres Interview .... Herr Otto Frischauer hat die Sache seiner Gegner gestärkt, und Dank seinem unermüdlichen Bemühen umstrahlt heute die massigen Häupter unserer klobigsten Antisemitenführer eine Gloriole politischen Märtyrerthums. Er hat einen armen Reporter zuerst für seine Zwecke zum gemeinsten Spionagedienst gezwungen und später als sein > Vertheidiger« eine halbjährige Haft von ihm nicht abzuwenden vermocht. Herr Otto Frischauer hat genug zur »Belebungc des politischen Interesses gethan. Er ziehe sich zurück. Das Publicum weiß jetzt schon, dass auf der Stufenleiter journalistischer Vornehmheit zwischen seinem
»Wiener Tagblatt < und dem »Deutschen Volksblatt nichts als eine kleine Meinungsverschiedenheit liegt.
Die Verworrenheit unserer politischen Zustände hat einen großen Vortheil; sie erleichtert die Beurtheilung der führenden Männer. Unter minder schwierigen Umständen konnte sich ein Minister jahrelang der Feststellung seines Wertes entziehen. Selbst der Geschichte fehlen die Anhaltspunkte zur Beurtheilung einzelner Staatsmänner. Aber dieses historische Dämmerlicht ist vorüber. Heute ist die Beleuchtung so grell, dass man die Umrisse politischer Unfähigkeit weithin erkennt. Unsere Zeit richtet jeden Minister binnen ein paar Tagen standrechtlich. Auch auf die Abstufungen der Mittelmäßigkeit lässt sie sich nicht mehr ein.
Schwierigkeiten gibt es nur für den, derbste nicht überblickt. Der Mann, an dessen Intelligenz gemessen, die Conflicte unserer
Politik klein erscheinen würden, ist aber noch nicht gefunden. Hat die individualistische Auffassung in der Geschichte Unrecht, die den historischen Verwicklungen nur die Aufgabe zuerkennt, die Persönlichkeit zu zeitigen, die ihrer Herr wird?
DIE VERTREIBUNG AUS DEM PARADIESE.
Das ist eine Welt, die zwischen Morgen- und Abendblatt lebt und sich von dem Dämmerschein des
neuen Jahrhunderts nicht bange machen lässt Irgendwo ist ihr plötzlich der Begriff für Dimensionen abhanden gekommen und sie beeilt sich darum, jeder Winzigkeit eine historische Geberde zu verleihen. Scheinbar ist es nur eine stolze Epoche der Zündhölzchen-Automaten, die sie sich bereitet hat, aber, wie das schon so mit den technischen Fortschritten zu gehen pflegt, zugleich auch eine Epoche des automatisch erzeugten Ruhmes und der sich selbst enthüllenden Monumente. Dass in einer Zeit, die aller Tradition entsagt hat und die man versteht, wenn man in ihrem Schlagwörterverzeichnis ein wenig blättert, Cultur kaum in sorgsam gehüteten Treibhäusern zu gedeihen vermag wen soll es be-
kümmern? In Österreich hat die Verkehrtheit der menschlichen Dinge Couleurstudenten zu Führern einer
Nation gemacht. Wird von dem Verzweiflungskampfe der Deutschen, der sich an einer Pilsener Straßentafel austobte und nachher im Parlamente nur noch unarticulierte Laute fand, ein nennenswertes Literaturdocument künftigen Generationen erzählen? Vermöchte ein Nationalismus, der in der Zerstörung der anderssprachigen Schule eine Errungenschaft sieht, das Geistesleben der Volkheit sonderlich zu vertiefen? Und wird sich die Erinnerung an ein Heroenzeitalter von Versammlungssprengern nicht am Ende bloß zu epischen Gassenhauern verdichten lassen?
Es ist ein Zug von aufreizender Bizarrerie wenn die Rasse, die im politischen Kleinkampf Dichter zu
zeugen verabsäumt und ihren Boden zur Unfruchtbarkeit verdammt hat, weil sie seine Grenzen vertheidigen muss, tagtäglich aus jenen Kreisen, die auch dem edelsten nationalen Streben theilnahmslos gegenüberstehen geistigen Zuschuss erhält. Nicht etwa, .als ob unseren Kunstwärtem das sociale Gewissen über völkisches Bewusstsein gienge, als ob sie von der Höhe modernen Denkens jedweder nationalen Bethätigung den Respect versagten. Nicht doch was diese Industrieritter vom Geiste zur Herrschaft gelangen ließ, ist einfach die größere Behendigkeit und die rasche Occupation des Marktes, dessen gangbare Werte ein politisch beschäftigtes Volk nie recht gekannt hat.
Wie das Recept, nach dem die literarische Nahrung der Massen verfälscht wird, Geheimnis einiger weniger Unternehmer ist, mag im Folgenden gezeigt werden. Ich will es versuchen, ein Bild jenes Marktes und seiner lautesten Schreier zu zeichnen, ein Gruppenbild, das erst auf dem Hintergrund der Wiener Gesellschaft und der Wiener Presse die richtigen Contouren gewinnt. Man wird schließlich finden, es sei ein Familienidyll der Corruption, so recht traulich und in abendliche Stimmungen getaucht. ...
In anderen Centren sind die Beziehungen loser und schwerer aufzudecken; die Hand hat einen weiten
Weg, um die andere zu waschen, einen weiteren, um in die Taschen des Publicums zu gelangen. Aber hier in Wien, wo jeder von jedem weiß, mit wem er bereits verfeindet ist oder wen er noch betrügt, ist es
helllichter Tag, wenn die Geschäfte abgemacht werden. Eine Presse, die außerhalb jeglichen politischen Einflusses gestellt ist und die im Drange der Verhältnisse sich genöthigt sah, ihren Freisinn zum Freikartensinn umzugestalten, versorgt in eigener Regie den Theatermarkt und wacht mit Argusaugen, dass kein Berufener eindringe.
Fast alle Bühnen sind ihr tributpflichtig, fast alle haben ihr tägliches Quantum an Gratisbilletten abzu-
liefern und jene Stücke aufzuführen, die sie selbst verfasst oder zumindest vidiert und protegiert hat.
Dieselben Leute, die gestern noch als freie Recensenten auf freien Plätzen saßen, tauchen heute als dankbare Autoren vor dem Vorhang auf und werden morgen von den Redactionscollegen überaus schmeichelhaft besprochen sein. Kritische Machthaber, welche aus der von ihrer Gunst und Gnade abhängigen Theaterkanzlei Tantiemen beziehen ich bin zu wenig Staatsanwalt, um sogleich den richtigen Ausdruck für solche Übung zu finden. Da steht diese Bande in den Zwischenacten der Premiere auf einem Fleck beisammen, hält die Passage des Mittelganges versperrt und täuschelt Ansichten über die Frage aus, wie viel »Häuser« das Stück voraussichtlich »machen« werde. Während das übliche Meinungscartell für die Morgenblätter zustandegebracht wird, sprengen literarische Galopins auf und
ab, den Löwy zu suchen und in hohem Auftrag auch die anderen Correspondenten der Berliner Blätter zu bearbeiten; ein strebsamer Jüngling schießt hin und her, um Stimmung zu machen, und die Hyänen vom Schlachtfelde des Durchfalls schleichen von Reihe zu Reihe und beschnüffeln jeden, bei dem sie ein selbständiges Urtheil vermuthen. Da quält sich ein Librettist zum Beifall, dem der Concurrentenneid aus dem Auge leuchtet, und ein Componist, von Tantiemengier geschüttelt, kann seinen Ärger kaum unterdrücken, dass der andere ihm eine Arie vorweggestohlen hat. . . .
Und diese saubere Gesellschaft treibt ihr Gewerbe unter den Augen eines Publicums, welches das journa-
listische Ergebnis der erbärmlichsten theatralischen Schacherpolitik immerzu als Orakel aufnimmt Aus
unmittelbarer Anschauung könnte es jedesmal klar und deutlich erkennen, wie die Sache gemacht wird, und mit raschem Entschlüsse, wenn es sich im Zwischenact organisierte, den Bund ,der Autoritäten auseinanderjagen.
Seitdem die bodenwüchsige Vorstadtposse verblichen ist, müssen wir das Wiener Theater einem
regelrechten Speculantenthum preisgegeben sehen. Journalistische Schmarotzer, die eben erst aus dem
Kehricht der öffentlichen Meinung emporgetaucht sind, Operettenwucherer und Coulissiers, die, wenn schon nicht dem Gerichtssaal, so doch der Gerichtssaalrubrik entsprungen sind, tummeln sich auf der Scene, die einst Nestroy und einem herrlich verwienerten Offenbach gehört hat. Vollends in den letzten Jahren, die den Wirkungskreis des Wiener Liberalismus auf ein Premierenparket beschränkten, hat das literarische Manchesterthum eine Entwicklung genommen, die geradenwegs einer Katastrophe zutreiben muss. Nie ist der Einfluss der Tagespresse schamloser in bares Geld umgemünzt, nie der Theatertheil der Journale offen kundiger zum Vortheil derer, welche ihn redigieren, benützt worden, nie hat Selbstlob in ähnlich verbrecherischer Weise der Beutegier allmächtiger Impotenzen Vorschub geleistet. Gelang es, durch zwei Jahrzehnte jede künstlerische Regung im Tantiemenreiche niederzuhalten, dem auf sich selbst gestellten Schaffen den Weg zur Bühne mit allen Chicanen zu verrammeln, so hatten doch Beeinflussung botmäßiger Directoren und Feindseligkeit gegen Talente, die den Canossagang zu Redactionsdienern verschmähten, ehedem eine gewisse, ich möchte sagen: Anstandsgrenze. Heute sind die Kaffeehaustische markiert, an denen vorbei der Weg zu Bühnenerfolgen führt, und »reine Künstler« müssen sich glücklich preisen, wenn sie, nach domenvollem Streben von Tisch zu Tisch, in der Runde der laut mit Theaterwerten feilschenden Zwischenhändler sesshaft geworden sind.
. . . Weit dehnt sich das Gehimweichbild des Wiener Literatenthums, täglich erfolgt neuer Zuzug von
Talenten, die der Entdeckung harren, und die Billardspieler fühlen sich bereits geniert. Die Jugend fordert ihre Rechte, die ungestüme Jugend, die alle Entwicklung von der Eröffnung des Cafe Glattauer datiert und in ketzerischem Übermuthe vergessen möchte, dass es einst auch eine Epoche Griensteidl gegeben hat Aber unter allen Abtheilungen, die in der heutigen Ordnung dem künstlerisch beschönigten Müßiggang zugewiesen sind, hat die dramatische ihren alten Zauber bewahrt, und neugierig und verlangend steht mancher Anfänger vor der Schwelle ihrer Mysterien. Jawohl mag die umliegende Welt in Trümmer gehen, in diesem Tantiemenkotter wird noch immer mit dem gleichen Ernst über
den Cassenausweis einer 25. Aufführung gesprochen und, wenn das Geschäftliche erledigt ist, noch immer mit der gleichen Heiterkeit jeder Kaffeeschluck aufgenommen, den der als Witztyrann gefürchtete Tischpräsident gethan hat Ein Absolutismus des Lachens, der heisere Unterthanen straft, aber Gnaden vertheilt, wo eine tüchtige Kehle in allen Stimmlagen Beweise unverbrüchlicher Loyalität gegeben hat.
Wie heißt doch der Herr, von dessen Gesicht zuvorkommende Tischgenossen es im Nu ablesen
können, wenn ihm gerade nichts einfallen will, und der dann, jedesmal ängstlich prüfend, im Kreise
der Getreuen nur strahlende Gesichter erblickt? Wie heißt der Herr, der von seinem Kaffeehausstühlchen
die Wiener Theaterwelt beherrscht, die gesammte Journalistik seinen Wünschen fügsam zu machen weiß
und ihren Heerbann, der dem Wink seines Hasses folgt, gegen jene aufrührerischen Elemente entsendet,
welche sich unter dem Erbtheil Heinrich Heines etwas anderes als Ödes Kalauern, gepaart mit dürftiger Versroutine, vorzustellen wagen? Nein es gibt gewiss nichts, das die klägliche Kleinheit dieses geistigen Wien besser bezeichnen könnte, als die Thatsache, dass der Mann, dem die Collegenschaft tagtäglich Lobeshymnen singt, die einem dramatischen Säkularmenschen gegenüber als aufdringliche Reclame wirken müssten Julius Bauer heißt. Dieses ans Groteske streifende Missverhältnis zwischen der äußeren Macht und der wesentlichen Unbeträchtlichkeit eines Journalisten ist es, was die endliche Abwehr herausfordert, und der kleine Bänkeldichter erscheint ernsthafterer Betrachtung wert, wenn er zum Mentor der literarischen Jugend ausgerufen wird, wenn vor ihm die Mimen in Devotion ersterben und seines Geistes Werke, mögen sie auch noch so geringe Zugkraft üben, keine Direction vom
Repertoire abzusetzen wagt.
Die Theaterleute schmachten unter dem Drucke dieses Recensenten, dessen unbedenkliche Art, einem
Buchstabenwitz zuliebe einen Erfolg zu schmälern, sie kennen. Die Börsengesellschaft, die doch in ihren Reihen manch ursprünglicheren Humoristen aufweist, schätzt ihn, weil er eine ihr minder geläufige Nuance, den Commis voyageur-Witz repräsentiert. Die Zeitungsleute, die gerade in dieser Species wiederum eine verwandte Saite anklingen hören, feiern ihn als den Nachfolger Heinrich Heines, wenn sie es nicht vorziehen, Aristophanes mit ihm in entehrende Beziehungen zu bringen. Nun, es wird hier noch öfter Gelegenheit sein, an dem Rücken dieser Sippschaft ihre Maßstäbe zu zerbrechen; für heute mag sie Sich in ihrem wenn ich nicht irre nach Raab zuständigen, mühsam zu Budapester Cultur erzogenen Abgott getroffen fühlen. Auch ist es mir zunächst um die armen Schauspieler und verschüchterten Literaturneulinge zu thun, welche sich im Hörigkeitsverhältnis zu Herrn Julius Bauer viel weniger wohl zu fühlen scheinen, als die Collegenschatt, die erst Überlegenheit des Könnens und der Bildung als Druck empfinden würde. Aber Herr Julius Bauer, der unverdrossene Buchstabenverwechsler, der
den Franz-Josefs-Quai lachen machte wenn er statt »Musentempel« »Busentempel«, wohlgemerkt: B statt M, und statt »Im Wein liegt Wahrheit« »Im Bein liegt Wahrheit«, wohlgemerkt: B statt W sagt, der
Routinier einer seit Heine sattsam strapazierten und längst ausgeleierten Versform, übersteigt wahrhaftig das Niveau der Genossen nicht. Gewiss gibt es auch unter den Journalangehörigen Wiens ungleich bessere und gebildetere Stilisten, die nur aus Indolenz oder missverstandener Collegialität sich gegen den widerlichen Cultus eines kleinen Theaterplauderers nicht auflehnen. Unerfindlich bleibt, wie z. B. Hugo Wittmann, der doch man mag gegen den ausgedienten Feuilletonisten der Bourgeoisie alles mögliche einwenden an Kenntnissen und erzogenem Geschmack den Journalistendurchschnitt weit überragt, sich mit Herrn Bauer zum Operettenbunde vermählen konnte. Unerfindlich, wie Herr Speidel nach Schluss einer Burgtheaterpremiere sich von dem schon inspirationsbedürftig in der Garderobe wartenden Bauer auch nur in den Winterrock helfen lassen kann.
Literarisch gemessen, ist Herr Bauer ein Nachtischhumorist, den man eventuell auch größeren Vereinen
zuziehen könnte, aber mit dem Theater haben seine Spässchen nichts zu schaffen, und nur ein Premieren-
parket, das auch seine Tafelfreuden mit Herrn Bauer theilt, könnte sie ertragen. Sein Witz entspringt nicht
dem launigen Erfassen einer Situation und gehört somit nicht auf die Scene; sein Witz entspringt aber auch keinem Gefühl, keinem Zorn, keiner Meinung somit gehört er nicht auf Druckpapier. Herr Bauer wäre nicht einmal fähig, seine eigene Missgunst, mit der er jüngeren Gesellschaftswitzlingen begegnen soll, schriftstellerisch zu gestalten. Welcher Laune sollte auch ein Humor gehorchen, der im Wortklang sich befriedigt und dem kein adäquater Ernst als Widerspiel entspricht?
Zwischen den Wahrheiten, die dieser Satiriker lachend verkündet, und den Lügen, die er bekämpft, liegt zumeist nur ein Buchstabe, und wenn den der Setzer übersieht ist das Erbe Heinrich Heines licitando zu vergeben.
War die Handschrift deutlich und ist der Setzer achtsam gewesen, wird man Herrn Bauer eine gewisse Fixigkeit, mit der er seine Banalitäten schon fast mechanisch los wird, kaum bestreiten können; aber ebensowenig, dass der Vers dieser notorische Hochstapler zur Hebung des geringen Witzgehaltes wesentlich beiträgt. Nicht drei gute Prosazeilen vermöchte Herr Bauer zu schreiben, die, losgelöst von Kalauern, an und für sich zu wirken hätten.
Man glaubt es anderwärts nicht, dass ein Mensch, der, urtheilslos und ungebildet, an Literarisches mit einer durch Wortwitzsucht getrübten Objectivität des Reporters herangeht, bei uns seit Jahren als Kritiker, als Burgtheaterkritiker, in Betracht kommt, dass wir einen Gelegenheitshumoristen dieWerke Ibsens beurtheilen lassen.
Wie aber sollte man an der kritischen Führerschaft einer Null Anstoß nehmen, wo die Verseuchung
der Vorstadtbühnen durch den nämlichen Herrn Julius Bauer zu den Selbstverständlichkeiten einer jeden Saison gehört? Wo ein aus dem Schlamm der schmierigsten Halbweltanschauung geschaffenes Zeug, wie dieses »Adam und Eva«, wiewohl ihm bei der Premiere der intensivste Durchfall, den eine Operette seit Jahren erlebt hat, beschieden war, dennoch Dank der beispiellosen Pression des Zeitungsconsortiums auf die Theaterkanzlei einen Winter hindureh den Spielplan »beherrschen« konnte. Was da von dem hurtigen Aufgebot aller Cliquenmänner geleistet, wie da, vom Tage der Erstaufführung an, die Meinung der Theaterbesucher in täglich variierten, mit allem Raffinement wirksamer Abwechslung ersonnenen Reclamenotizen gefälscht, wie da das störrische Publicum förmlich mit Peitschenhieben
in das Theater getrieben wurde das verdient als Denkmal von der Haltung des geistigen Wien am Ausgang dieses Jahrhunderts künftiger Culturberichterstattung überliefert zu werden. Als nichts mehr verfangen wollte und das Arsenal der Lügen von ausverkauften Häusern, eigens nach Wien geeilten Directoren u. s. w. erschöpft war, durfte, ohne dass der Staatsanwalt, dem die Theater-
sphäre gewiss mancherlei Anregung bieten müsste, auch nur den Finger gerührt hätte, dreist erzählt werden, Erzherzog Franz Ferdinand habe bei einer Aufführung von »Adam und Eva« dem Regisseur sagen lassen, dass er sich ausgezeichnet unterhalte und den Dialog aus dem Textbuch noch einmal kennen zu lernen wünsche. Die Leute, die kurz zuvor durch Herausgabe einer Jubiläumsschrift krampfhafte und dennoch mit keinem Orden belohnte Anbiederungsversuche an die höchste Stelle gemacht hatten, glaubten jetzt ohne Rücksicht auf den § 64 (Beleidigung eines Mitglieds des Kaiserhauses)
keck behaupten, zu dürfen, dass es den Geschmack des Thronfolgers nach den geistigen Sumpfniederungen eines Bauer'schen Librettos ziehe.
Man muss sich nur die Ungeheuerlichkeiten alle ins Gedächtnis rufen, die später als Offenbarung eines
begnadeten und in seiner Laune unerschöpflichen Witzkopfes gepriesen wurden von denselben Herren
gepriesen wurden, die am Abend der Premiere von dem unzweideutigen Misserfolg consterniert und kopfhängensch dagesessen waren, als ob sie Mitglieder jener anderen »Concordiae wären, die wirklich Leichen bestattet, und nicht des Vereins, der dem todtgeborenen Erzeugnis eines Collegen zu künstlichem Scheinleben verhilft. Man erinnert sich noch der geschmacklosen Auswucherung biblischer Motive, die nicht anders als etwa eine religionslästemde Annonce des »Paprika-Schlesinger« wirkte, und der gleichfalls in beiden Fällen wurde auch über »Reaction« gejammert die unverdiente Ehre einer Censurierung zutheil ward. Noch tönt uns der Refrain Bauer'scher Bibelauffassung
in den Ohren:
»Ich bin der Josef Jakobsohn,
Bekannt im ganzen Land,
Der Sohn vom Jakob Kohn,
Der auf der Leiter stand . . .«
noch denken wir an jene andere erquickliche Situation des bilderreichen Werkes, da Sokrates und Plato von einer lebendig gewordenen Herkulesstatue geprügelt werden und Diogenes, der in der »Schönlaterngasse« zu wohnen vorgibt, dem Streite ein Ende macht. Es ist dies eine hellepische Welt, wie sie etwa Stammgäste des Cafe "AßEAnz" oder des dem Carltheater so nahen Cafe Tifoxilos mit der Seele suchen. Ja, das ist Großverschleiß attischen Salzes. Witzperle reiht sich an Witzperle, und ein ganzer attischer Salzgries liegt vor unseren Augen. Kein Wunder, seit Bauer Herrn Leo Ebermann protegiert hat, kennt er das Griechenthum . . . Und die actuellen Anspielungen in Menge, die deutlich zeigen, dass Bauers Schaffensgebiet nicht von einem nahen Theaterhorizont begrenzt ist, dass auch die großen Fragen der Zeit ihn beschäftigen und der Menschheit Kummer die empfindsame Saite seines Humors erklingen lässt. So weiß er einerseits, dass Dreyfus Unrecht geschieht, anderseits, dass in Wien behufs Gasrohrlegung die Straßen in schlechtem Zustande sind, und er hat diesem seinem tief socialen
Empfinden in beweglichen Coupletstrophen Ausdruck gegeben, oder wie am ändern Tage ein resoluter
Schmock niederschrieb »er bohrt mit aristophanischer Sonde an Zeitverhältnissen herum«
Es fiele mir wähl haltig nicht ein, Herrn Bauers Kreise stören zu wollen wenn sie sich bloß mit den
Kreisen dinierender und amusementbedürftiger Börsenmäcene deckten, und ich würde unserem Satiriker, der mit loyalen Verslein immerdar zur Stelle ist, sobald ein Regierungsjubiläum gefeiert wird oder gar Herr
von Taussig eine seiner Töchter verheiratet, sogar das längst ersehnte Ordensbändchen oder den »kaiserlichen Rath« gönnen, dessen Fehlen der Lebensanschauung des Humoristen zuweilen einen melancholischen Zug verleihen mag. Allein der arme Wortwitzhascher, der allzulange schon in einem Unsterblichkeitsdünkel dahinlebt und nicht fühlt, dass er in Wahrheit nur ein winziger Nachkomme des der Wiener Kunstluft einst so gefährlichen Saphir'schen Banalgeistes ist, hat die endliche Zurechtweisung verdient. Weit wäre es mit der neu-österreichischen Literatur gekommen, wenn sie ernstlich darauf angewiesen bliebe, sich ihre Wege von dem Hofnarren Rothschilds, vom Aristophanes des Herrn
von Taussig bestimmen zu lassen. Wir werden es nicht mehr dulden, dass die wichtigsten Ehrenstellen
welche die Literaturgeschichte zu vergeben hat, in einer Ausschusssitzung des Pensionsfonds der »Concordia« vertheilt werden, und da Heinrich Heine und die ändern Großen kein anderes Mittel der Abwehr mehr haben, als sich gegebenenfalls so im Grabe umzudrehen, dass sie mit der Rückenseite gegen Herrn Julius Bauer und die ihn heute noch umheulehde Rotte liegen bleiben wird unsere Pflicht es sein, ihre Namen gegen freche Verunglimpfung zu schützen.
Wenn es den Herren beliebt, sie mögen weiter untereinander in kritischer Blutschande leben und uns
noch öfter das Schauspiel bereiten, dass, wie es kürzlich erst geschah, eine führende Zeitung ihre Theaterrubrik wochenlang den Bedürfnissen dreier ihrer eigenen Redacteure zur Verfügung stellt, die im artigen Turnus gegenseitigen Lobes täglich vor den Augen des Publicums abwechseln. Aber neugierig sind wir, ob dieses Publicum noch lange zusehen wird, neugierig, ob es sich bis ins neue Säculum hinein eine Presse gefallen lassen wird, die den Antisemitismus besser zu erzeugen als zu bekämpfen vermag und die deshalb gegenwärtig um nichts heißer bemüht ist, als der Phrase von der »Schmach des Jahrhunderts« angesichts des nahen Verfallstages die nöthige Prolongation zu erwirken eine Presse, die gegen ihre plumpsten und dümmsten Widersacher unterliegen muss, weil sie Wahrheitsfanatiker entsendet, deren Schuh den Koth schmutzig macht, und die, was sie durch ihre politische und financielle Gebahrung verschuldet hat, nun rasch auch auf dem Gebiete des Theaters producieren möchte. Wenn sie heute in späten Thränen über die veränderte Sinnesart der Bevölkerung ihre eigene schmutzige Wäsche auswindet, so sollte sie nicht vergessen, dass auch die Theatersphäre den von ihr beklagten Einflüssen
eines Tages unterliegen könnte. Weil draußen heute ein natürlicher Wetterwechsel unfreundliche politische Lüfte weh'n, möge sie sich doppelt hüten, das Foyer zum Ghetto zu verwandeln. Ihr zum Trotz, die unverdrossen täglich ihr »Lacht nur bei Julius Bauer!< annoncierte, ist »Adam und Eva«, von einem entsetzten Publicum täglich von Neuem angeblasen, endlich und endgiltig von der Bildfläche verschwunden. Langsam scheint man sich zu besinnen, und, wenn die Zwischenhändler des Geistes nicht freiwillig bald ein anderes Gebiet industrieller Bethätigung aufsuchen, so wird die allgemeine Vertreibung aus dem Paradiese der Theaterherrschaft nicht mehr allzulange auf sich warten lassen.
Die Einacter.
Im Burgtheater hat man dem jungen Wien Gelegenheit gegeben, einmal repräsentativ zu "beweisen, dass es über keinen eigenen Ton verfügt. Herr Arthur Schnitz l er, der noch immer den geringfügigen
Ruhm genießt, in solcher Mitte der Beste zu sein, und der durch eine solide literarische Geschäflsgebamng im voraus manche Sympathien für sich hatte, kam mit drei Einactem zu Worte. Weil ihm wiederholt schon ein hübsches Talent für erste Acte nachgerühmt wurde, will er seine dramatische Kurzathmigkeit jetzt als Genre pflegen. »Paracelsus« ist eine Blüette, die ihre gedankliche Nichtigkeit in historischem Gewände darbietet. Es ist Schnitzlers Höhenflug: wo er aus dem Bereiche meiner anmuthigen Wiener Empfindsamkeiten hinausstrebt, muss er auf Fuldas Ebene landen. »Die Gefährtin < ist ein seltsames Kunstproduct gewollter Psychologie. Die Scene gewährt einen Prospect auf das Grab einer Frau, und mit
vertheilten Rollen wird ein Nachruf gesprochen, der zu ungeschickt abgefasst ist, um nicht peinlich zu wirken. Bei Strindberg hat der Hass eine Technik geschaffen, und wenn er es unternähme, gegen
das frische Grab einer Frau zu polemisieren, so würde man eben dem Temperament bewilligen, was man Herrn Schnitzler und seiner umständlichen seelischen Obduction nicht verzeihen kann. Das Werk-
eben trieft von psychologischem Doctordünkel. Der Gedankengang, der sich in einer kurzen und geraden Linie prächtig erschöpfen ließe, verläuft spiralenförmig, und das armselige Thema wird den verzweifeltsten Drehungen unterworfen. »Die Gefährtin < ist geradezu das Meisterstück scenischer Unbeholfenheit; ein Monolog der Hauptperson, der noch rechtzeitig durch das Eintreten einer »sympathischen Frauengestalt« verhindert wird, einer edlen Dulderin der Stichworte. »Der
grüne Kakadu« heißt des Abends bester Theil. Hier ist Herrn Schnitzler wenigstens wieder ein sicherer und launiger Dialog geglückt. Und die Mache blinkt so sauber, dass sie zuweilen selbst über den Eindruck
der Drolligkeit hinweghilft, den der Dichter der Liebe vom »Währinger Gürtel« auf dem Hintergrund der großen Revolution hervorrufen muss.
Es ist ja nicht zu verlangen, dass eine solche Zeit in den Köpfen des jungen Wien andere als anekdotische Stimmungen auslöse. So sehen wir das Gewaltige zu einem netten Genrebildchen eingefangen.
Wo dieses zu jenem sich erweitert, fallt der Vorhang, und der Autor bewies, dass seine Geschicklichkeit sogar noch knapp bis zum Obergang reicht. Das ist nicht wenig, und um des »Grünen Kakadu« willen
dürfte sich der Einacter-Cyclus auf dem Repertoire behaupten. Vielleicht versucht man es dann auch mit einer oder der anderen Scene aus dem »Anatol«, der bis heute noch Schnitzlers dramatisches Können
auf die prägnanteste und gefälligste Art umschrieben hat.
Auch Hugo von Hofmannsthal sollte mit seinem Erstling (»Gestern«, bei Klinkhardt verlegt) für das rehabilitiert werden, was er acht Jahre später geleistet hat. Dieser Edelsteinsammler aller Literaturen hat durch die Aufführung seines »Abenteurer« und seiner »Sobei'de« viel eingebüßt. Herrn Schienther blieb es vorbehalten, mit täppischer Hand das Geheimnis zu lüften, welches das Schaffen des Ästheten so lange umschwebte. Wenn Herr Schienther sich um jeden Preis als österreichischer Patriot bethätigen will, so wird er unser heimisches Literatenthum aus dämmeriger Zurückgezogenheit nicht vor das Rampenlicht locken dürfen. Herr v. Hofmannsthal, dem frühzeitig die Mittel dazu geboten waren, hat sich bis heute als Goethenatur in engeren Kreisen gut bewährt. Man wusste, dass er das Leben floh, dass sein Wesen der »gemeinen Deutlichkeit der Dinge« widerstrebe und dass auf dem Lehnstuhl vor seinem Schreibtische, ganz wie es Herr Bahr verlangt, »der Abglanz der Ewigkeit« ruhe. Man konnte ihn für seinen vornehmen Geschmack loben, der, in dem Studium aller Schönheitsepochen des menschlichen Geistes verloren, keine
Schallwelle von dem eklen Gekreisch unseres Theaterthums an sich herankommen ließ. Dass er kein Dichter war, durften ihm die anderen, die es nicht sind, wohl verzeihen; aber er hat sie überragt, weil er,
wie keiner neben ihm. Dichter zu lesen vermochte, und in seinem Ohr klang es von allen Rhythmen der Classik. Er war gewohnt, aus einem mit köstlichem Edelgestein besetzten Glase zu trinken.
Dieses war klein und nicht sein eigenes, wie man ein Musset'sches Wort verändernd und mit leisem Bedauern sagen konnte. Aber ihm zur Ehre mochte es schon gereichen, dass seinen artistisch
erzogenen Blick die Pracht der Steine immer wieder anzog. Allzu früh waren ihm literarische Verderber an die Seite gegeben, und der von seinen Eltern verwöhnte Liebling der Grazien, dem man die
Allüren Jung-Goethes aufzwang, konnte der Gefahr, die seine Entwicklung bedrohte, bald nicht mehr entrinnen. Jetzt hat ihn Herr Schienther sogar um das bischen Mangel an Eigenart gebracht, das ihm
noch kürzlich so nett zu Gesicht gestanden war. Nach dem unheimlich formgewandten und preciösen» Gestern < des 17jährigen hatte man lange gehofft, dass der Wein, wenn er sich auch noch so abgeklärt gebärde, doch am Ende mal 'nen guten Most geben werde. Die zwei Einacter im Burgtheater brachten die Enttäuschung. Hofmannsthal ist um ein Beträchtliches koketter geworden und seine Form, die ehedem noch ein spielerisches Verhältnis zu Gedanken hatte, zeigt jetzt die völlige Abhängigkeit des Bildungslyrikers von der jeweiligen Lectüre. Ein Niederschlag von allen Culturen hat hier seine rein äußerlichen Wirkungen gezeitigt. Was zu dramatischer Geltung gebracht wird, ist im »Abenteurer« kaum mehr als ein Tändeln mit Degen und Mantel, in der »Sobeide« etwa der Sinn für die Schönheit eines bunten Teppichs. Im zweiten Werke scheint Hofmannsthal hin und wieder auch etwas sagen zu wollen! Aber es ist ihm wohl nicht zuzutrauen, dass er den Befrciungsdrang einer Frauenseele durch Ungemach und alle Fährnisse des Lebens, die er ihr bereitet, absichtlich ad absurdum führen wollte. Das wäre eine recht philiströse Anschauung, die vor der Flucht aus dumpfer Enge warnt und die Thür, durch die eine
Befreite zog, vorsichtig »für alle Fälle« zur Rückkehr offen hält.
Grillparzers Rustan mag von bösem Traume zur Nüchternheit des bürgerlichen Lebens erwachen und, zufrieden in wiedergefundener Wirklichkeit, den Ruhm einen leeren Wahn schelten. Aber das Sehnen
nach »Assad«, das einen Schimmer von Glück über das Dasein mancher Sciavin breitet, haben bis heute noch, selbst wo sie es in That verwandelten, wenige Sobeiden zu bereuen gehabt. Gewiss ist
indeß Herrn v. Hofmannsthal so weise Bedenklichkeit nicht zuzumuten, und mehr als ein decoratives Vergnügen dürfte ihn denn auch zu seiner »Sobeide« nicht verführt haben.
Ein Zeichen der Unechtheit tritt dabei greller als sonst in Erscheinung. Es ist ja Hofmannsthals Art, die Offenbarungen der Dichter aus der Hand der Übersetzer zu empfangen. So wie den »Präraphaeliten« aus der rudimentären Technik, mit der einst die Schüler von Sienna sich behelfen mussten, neue Schönheit erblüt, so lässt sich Herr v. Hofmannsthal durch die naturgemäßen Mängel einer
Übersetzung anregen. Nicht Shakespeares und der Griechen, aber Schlegels und Thudichums Epigone spricht aus den Versen dieses »Primitiven«. Auch früher konnte man aus manchen seiner Wendungen
zuweilen den Gegenstand seiner momentanen Beschäftigung errathen; so wenn er, mitten aus dem Studium lateinischer Classik heraus,seine Sprache mit Ovidischen Floskeln schmückte und ganz im Sinne,
ja Wortlaute des Römers das Bild einer Überschwemmung z. B. mit den »in den Ulmen hängenden Fischen< (pisces in ulmis haerentes) zu zeichnen pflegte. Heute ergeht er sich in leeren Travestien aller
möglichen Stile.
»Doch nun zu Bett; dies ist ein bunte Zeug
Von Wiedersehn und Trennung, Angst und Lust,
Und macht den Kopf so wirr, als hätt' man Nächt
In einem Maskenaufzug umgetrieben . . .«
Ist es nicht, wenn man diese Worte aus seinem »Abenteurerc hört, als lauschte man einer förmlichen Stilkopie Schlegel-Shakespeares? Herr v. Hofmannsthal treibt philologische Lyrik. Nach seiner Weltanschauung zu fragen, nach jenem Etwas, das von seinen Versen übrig bleibt, wenn man sie von Costüm und Anklängen befreit, wäre müßig. Genug, er flieht noch immer das Leben und liebt die Dinge, welche es verschönern.
Aus Künstlerkreisen erhalte ich folgende Zuschrift: Journalisten sind nach dem bösen Worte eines großen Mannes diejenigen Leute, die ihren Beruf verfehlt haben; unter ihnen pflegen sich nun jene,
welche wegen Mangels jeglicher positiven Kenntnisse zu nichts anderem zu verwenden sind, der Kunstkritik zuzuwenden. Während der Musikreferent wenigstens imstande sein muss, Noten zu lesen,
fallt bei der Besprechung von .Literatur und bildender Kunst jedes ähnliche kleine Erfordernis weg. Aber Unwissenheit allein genügt doch nicht, wofern nicht ihre Resultate mit jener apodiktischen Ruhe
vorgebracht werden, die der Unverschämtheit zum Verwechseln ähnlich sieht.
Man ist ja an Vieles gewöhnt. Von Zeit zu Zeit aber hat man doch den Wunsch, diesen oder jenen sublimen Ausspruch ein wenig festzunageln. Schreibt da unlängst der Kunstkritiker der »Neuen
Freien< (die übrigens von jeher in diesem Fache einen Record nach unten behauptet hat) anlässlich der Tina Blau-Ausstellung etwa Folgendes: Man finde da recht hübsche Sachen, müsse aber der
Künstlerin den Rath geben, sie möge sich die modernen Mittel der Malerei mehr zu eigen machen, wenn sie den Anspruch erheben wolle u. s. w., u. s. w. Man wird schwerlich die beiden oben erwähnten Eigenschaften des Kunstkritikers in einer reineren Form darstellen können, als sie in diesem Ausspruch eines edlen Gönners Zu finden sind. Tina Blau, die bis jetzt von Kritik und Publicum eben
wegen ihres modernen Empfindens vernachlässigt worden war, und die vor zwanzig Jahren schon in ihrer Weise natürlich die Principien der Worpsweder und Glasgower Schule angewendet hat l
Sind aber die meisten Kunstkritiker schon in puncto einfachen Tadels oder Lobes unzuverlässig, so wird die Sache gar possierliche wenn sie sich aufs Prophezeien verleben oder die Dinge sub specie
aetemitatis zu betrachten anfangen. Der Aristoteles unserer »Zeit< leistet bekanntlich hierin Hervorragendes. Man erinnert sich noch, wie er von den in einem lächerlichen Deutsch abgefassten und auf Büttenpapier gedruckten Pubertätsempfindungen eines Kalksburger Gymnasiasten feierlich erklärte: In vierzehn Tagen wird Europa von diesem Buche sprechen! Das Wort bekam Flügel, aber das Buch ist
längst von der Oberfläche verschwunden. Jetzt erklärt derselbe Herr ein Bild von K l im t in der Secession (den »Schubertc) schlankweg für das beste Bild, das je ein Österreicher gemalt hat. Nun, so schlecht
ist das Bild wieder nicht, und der gute Herr von Dumba, der auf seine alten Tage seine Wohnzimmer secessionistisch ausschmücken lässt, braucht es nur ein bisschen ins Dunkle zu hängen. Herr von
Dumba als Secessionist ist überhaupt sehr amüsant. Das kam nämlich so. Er hatte die Bilder für sein Musikzimmer bei Klimt bestellt, als dieser noch in der braven Art der Laufberger-Schule arbeitete und
sich höchstens ein paar Makart'sche Extravaganzen gestattete. In der Zwischenzeit war aber dem Maler der Khnopff aufgegangen, und jetzt ist er, damit die Geschichte nicht ohne Pointe bleibt, Pointillist
geworden. Und das muss natürlich der Besteller alles auch mitmachen. So ward Herr von Dumba ein Moderner. Bec.
*) Hier ist natürlich Herr Hermann Bahr gemeint. Das wüste Treiben dieses Herrn, der noch immer Cultur nach Österreich wi bringen vorgibt und immerzu seine Dichterkrönungen vollzieht, wird, bevor er noch in der ersehnten grösseren Tagesredaction landet, in diesen Blättern öfter und schmerzhafter aufgedeckt werden.
Anm. d. Herausgebers.
Von Karl Kraus. Mit einem Titelbild von Hans Schliessmana.
M. G. Conrad äußert sich im »Deutsche» Dichterheim über
»Du demolierte Literatur folgendermaßen;
Die 36 Seiten kosten 40 kr. Sie sind das Geld wert. Man bringt mit Hilfe dieser geistvollen Parodierung der Wiener Cafe Griensteidl-Literatur wirklich das Unglaubliche fertig: die abgerackertsten
Karrengäule im Triumphzug der decadenten Poseure erwecken nicht fade Unlustgefühle, sondern herzliches, gesundes Lachen. Die uns das anzuthun vermögen, allerdings erst durch die Zubereitung, die
sie in der Küche des genial kaustischen Karl Kraus erfahren verdienen wahrhaftig ein Denkmal. Und Vieles, was sich hier urwienerisch ausspricht, ist zugleich urmünchnerisch und urberlinerisch. Für
den Kenner dar letzten zehn Jahre Jung-Literatur verstärkt sich also der Eindruck aufs Erfreulichste. Diese biederen alten Knaben, die nie jung gewesen und nie zur Reife gekommen sind, eben weil sie
keine Natur in sich hatten, sondern nur Moment-Witze und -Blitze, Umsturzprogramme, technische Wunder-Recepte und artistische Posen, die also mehr Theätre variete denn Literatur im Leibe hatten
sie haben doch nicht umsonst gelebt und >Bewegung< gemacht. "Die demolierte Literatur" zeigt classisch, wie nutzbar und amüsant sie sind.
»Berliner Fremdenblatt« (in einem Feuilleton): "Die demolierte Literatur" enthält eine gewaltige Summe von gesunder, witziger Satire, scharfer Beobachtung und wirklicher Menschenkenntnis; die Pointen
sind messerscharf, ohne geklügelt zu sein, die Sprache selbst das eleganteste, makelloseste Deutsch, das der Autor mit der Bravour eines Künstlers zu meistern und für seine Zwecke zu verwenden
weiß. Karl Kraus gehört momentan zu den bestgehassten Schriftstellern Jung-Wiens; nur muss man mich auch recht verstehen, gehasst wird er von denen, die er angegriffen hat: Mit der unbarmherzigen Geißel der Satire jagte er die Clique, die sich in der Literatur breit macht und sich gegenseitig in die Höhe poussieren will, von ihren bequemen Ruhe- und Plauderplätzchen auf. Manche Partien aus der »Demolierten Literatur enthalten Apcrcus, die zum Besten gehören, was Satire je geschaffen. ...*...
In ähnlich günstigem Sinne sprechen sich aus: »Neue Freie Presse«, »Wiener Zeitung«, »Frenadenblatt«, »Wiener Tagblatt« »Oesterreichische Volkszeitung«, »Neues Wiener Journal« »Wiener Mode«, »Frankfurter Zeitung«, »Berliner Tageblatt« »Berliner Börsencourier«, »Neue Hamburger Zeitung«, »Breslauer Zeitung«, »Bemer Bund«, »Münchener Allgemeine Zeitung« »Münchener Neueste Nachrichten«, »Münchener Generalanzeiger« »Socialistische Monatshefte« (Berlin), Leipziger »Gesellschart« »Prager Tagblatt«, »Grazer Tagblatt«, »Linzer Montagspost« »Oesterreichische Wochenschrift«, »Oesterreichische Beamtenwelt«, »Neue Armee-Zeitung« u. A.
Im Verlage von Moriz Frisch, Wien, I., Bauernmarkt Nr. 3, ist soeben in zweiter Auflage erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen:
EINE KRONE FÜR ZION.
SATIRISCHE STREITSCHRIFT
GEGEN DEN ZIONISMUS UND SEINE PROPHETEN.
VON
KARL KRAUS.
Preis 40 kr., mit portofreier Zusendung 45 kr.
Die beste Empfehlung des Büchleins liegt von Seite der »zionistischen Presse vor, die , es beschimpft, und von Seite der liberalen, die es todtgeschwiegen hat.
Ungemein günstig äußern sich über diese Satire: »Socialistische Monatshefte« (Berlin), »Ostdeutsche Rundschau«, Leipziger »Gesellschaft«, »Der Faun«, »Tam-Tam« (Chicago) u. A.
In der »Oesterreich. Wochenschrift« schreibt J. Sachar:
Das Büchlein, welches Karl Kraus unter diesem Titel soeben hat erscheinen lassen, hätten selbst Freunde und Verehrer seines satirischen Talentes ihm so fein und scharf nicht zugetraut Es ist ganz ausgezeichnet, witzig und geschmackvoll und aus der deutschen Sprache herausgeschrieben. Die schneidige Eleganz dieser scharfen Feder hält sich immer in streng literarischen Formen. Kraus justificiert stets in Glacehandschuhen und verbeugt sich quasi entschuldigend vor dem geehrten Herrn Delinquenten, als ob er selbst unendlich trostlos wäre. An Spitzer, dem »Wiener Spaziergänger«, hat er sich zuerst herangebildet. Heut' ist er über dieses erste Vorbild bereits hinaus und man wird ihn schon an einem
größeren Maße, an Ludwig Borne, messen müssen, der auch einmal als ein gefährlicher und unerbittlicher Widerpart gefürchtet war. Auch bei Kraus steigt das Pathos aus der Ironie heraus! Seine Sittlichkeit
ist, wie die des Lob Baruch, aus Wahrhaftigkeit und Grundgescheitheit zusammengesetzt. Mit stillen sachten Wendungen beschleicht er seine Opfer. Er ist kein witzhaschender Silbentäuschler mehr und
kein Jongleur mit leeren Wortbällen. Über diese Exposition seines Talentes ist er bereits hinüber. Eine echte satirische Begabung ergeht sich diesmal wieder auf ergiebigem Felde. Wer gerne lacht, wird
reichlich auf seine Kosten kommen. Denen, über die gelacht wird, kann die Sache freilich nur als ein ungeheuerlicher Frevel erscheinen. Doch das liegt schon einmal so im Wesen der Satire. Maupertuis
hat sich vermuthlich auch am »Akakia« des Voltaire nicht sonderlich ergötzt, Wood die Tuchmacher-Briefe des Swift nicht besonders anregend gefunden, und Menzel zählte keineswegs zu den Bewunderern der satirischen Meisterleistung Bornes, des > Franzosenfressers < Das ist ja schließlich alles nur ganz selbstverständlich! Den Angegriffenen thut es ja sehr weh, ihre Schwächen und Lächerlichkeiten der öffentlichen Heiterkeit erbarmungslos preisgegeben zu sehen. Und Karl Kraus bringt schon den richtigen Blick und Spürsinn für derlei mit.
Urernst nimmt er Phrase um Phrase unter sein Vergrösserungsglas Schon sein famoser Erstling: »Die demolierte Literatur <, zog ihm eine Menge Feindschaften zu von all' denen, deren Eitelkeiten er verletzt
hatte, und es waren ihrer nicht wenige. Nun hat er sich redlich Mühe gegeben, ihre Zahl beträchtlich zu steigern. Sein neues Opus wird ein gleiches Schicksal haben, wie das erste. Aber Jedermann wird
es doch gelesen haben wollen. Das ist eine Art Trost. Und die lustigen Worte, deren es ganz köstliche gibt, werden geflügelt in die Welt hinausflattern:
»Die unduldsamen Märtyrer »die zum Eintritt in das neue Ghetto berechtigenden gelben Flecke < (Bestätigung des für zionistische Zwecke gezahlten Schekels) »die staatenbildende feuilletonistische
Begabung Herzls« das wären so einige. Geradezu köstlich in seiner sachten Ironie ist der Satz: »Wenn man so endlich die erwünschte nationale Cultur hat, wird man sie nur noch organisch aus der Vergangenheit herauswachsen lassen müssen. Nur noch o, Kleinigkeit! Jüdische Helden thun Noth,
aber »mit der Aufstellung eines Feuerofens zur Erzeugung von Makkabäern ist nicht gedient . . .« »Hinaus mit den Juden !< erschallt das antisemitische Wuthgeheule und »Jawohl, hinaus mit uns«
schallt der Ruf zurück. Die assimilierte Natur ist auch so eine reizende Kraus'sche Erfindung mit ihrem »mauschelnden« Bächlein und dem jüdischen Echo, das mit einer Frage antwortet. Die israelitische
Jung-Aristokratie kommt übel weg. »Sie haben sich mit ihren arischen Sportgenossen zu innerer Leere und zu einer Aristokratie der Fingernägel gefunden . . .« »Schüttelt den Salzgriesgram von Eurer Stim,
ruft er den Mühseligen und Beladenen zu. ». . . Blicket nicht sehnsüchtig nach dem Lande, in das man Euch führen will denn dieses ist das Land Uz! . . .«
Das Buch ist so meisterhaft gemacht und so überaus lustig, dass es auch den Zionisten, jedem für sich im stillen Kämmerlein, gefallen mag, wenn es auch gegen die Partei als solche gerichtet erscheint. Öffentlich wird natürlich darüber der Stab gebrochen werden müssen, als einer gar ketzerischen, des Verbrennens überaus würdigen Schrift. Es waren aber nicht immer die schlechtesten Bücher, die auf den Index gesetzt worden sind, und Karl Kraus hat sich ja schließlich doch nichts anderes davon erwarten können. Aber wer eine Krone übrig hat für Zion, gehe hin und gebe sie für das famose Libell, und hat er eine Bücherei daheim, so stelle er getrost das grüne Heftchen zwischen den »Doctor Akakiac von Voltaire und »Menzel, den Franzosenfresser von Ludwig Böhme; denn da gehört es hin.
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